"you can't live a healthy life in a wounded body"
vorneweg eine triggerwarnung: in diesem beitrag geht es um selbstverletzendes verhalten, auch um dessen folgen. teilweise beschreibe ich meine körperlichen folgen ganz explizit. achtet auf euch, und wenn euch das thema zu nahe geht, lest diesen text lieber nicht.
mein die momentane phase verändert mein verhältnis zu selbstverletzung. es schleichen sich wochen zwischen die schnitte. aus täglichem "das blut aus den handtüchern waschen" wird "einmal im monat". die silberklingen, normalerweise mein ständiger begleiter, verlieren an bedeutung. andere würden das wohl heilung nennen, milestones auf instagram präsentieren, "recovery" - aber ich kenne mich, und weiß, dass ich lange noch nicht an dem punkt bin, an dem ich wirklich heile.
werde ich jemals frei von selbstverletzung sein? will ich das überhaupt? diese frage hätte ich in den letzten jahren immer mit nein beantwortet. ich habe immer gedacht (und auch gesagt), dass das gefühl dabei, danach, so gut ist, dass ich nie wieder darauf verzichten kann, vielleicht sogar: verzichten möchte. ich brauch(t)e das.
langsam werden mir aber einige dinge immer klarer.
eines davon ist, dass dieser typische essstörungssatz ("you can't lead a full life on an empty stomach") auf selbstverletzung genauso zutrifft. es gibt kein gesundes leben in einem körper, der immer wieder damit klarkommen muss (schwer) verletzt zu sein. und verdammt, dieser körper hat viel leiden müssen.
egal wie sehr ich herunterspiele: ich nehme regelmäßig eisen, weil ich durch den blutverlust immer wieder anämisch bin. ich habe regelmäßig genähte wunden an meinem körper, und halte das für absolut normal. ich vergesse, wie krass es eigentlich ist, so schwer verletzt zu sein, so regelmäßig. vor ein paar tagen sagte eine pflegekraft, dass meine wundheilung einfach so strapaziert sei, dass es ganz natürlich ist, dass die schnitte langsam verheilen. nichts daran ist normal. ich schreibe das nicht, um anzugeben, und schon gar nicht, um zu sagen, dass ihr an diesen punkt kommen müsst, um aufzuhören. ganz sicher nicht. bitte vergleicht euch da nicht mit mir - dieser text beschreibt nur MEINE situation, weswegen ich das hier so klar formulieren möchte. ich schreibe das hier im grunde, um eines klarzumachen: das ende von chronischem selbstverletzenden verhalten kann der tod sein.
und eines gilt immer:
you can't live a healthy life in a wounded body.
ich rede mir das gerne schön. aber zumindest für mich, und diesen gedanken möchte ich einfach hier teilen, wird es aller wahrscheinlichkeit kein leben außerhalb des kliniksystems geben, während ich mich verletze. solange ich mich schneide, werde ich nicht gesund werden. selbstverletzung ist nichts, was zusammen mit einem geheilten leben existieren kann. und dabei ist es egal, wie "schlimm" es medizinisch ist.
wenn ich leben möchte, muss ich aufhören. das bleibt bei mir gerade sehr hängen. egal ob ich an vollständige heilung bei mir glaube oder nicht (tue ich nicht) - ein leben ohne das kliniksystem wird für mich höchstens möglich sein, wenn ich aufhöre, mir einzureden, das könnte nebeneinander existieren. rückfälle sind vielleicht teil eines heilungsweges - aber sich von rückfall zu rückfall zu hangeln und dabei genau zu wissen dass es einen nächsten geben wird hat nichts mit "recovery" zu tun.
i won't live a healthy life in a wounded body.
was das für mich bedeutet? ich weiß es nicht. ich weiß es wirklich nicht. aber irgendwas machen diese gedanken gerade mit mir, und diesen satz für mich formuliert zu haben hilft mir gerade sehr - und vielleicht hilft das hier ja noch jemanden. vielleicht ist das hier auch ein erster teil. das weiß ich noch nicht.
für heute war es das.
pass auf dich auf, ich tue das auch.
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