wochenende #5 - entwicklungen

Veröffentlicht am 16. Februar 2026 um 08:24

das leben ist gelegenheit genug, vor allem um darüber zu schreiben. eine kolumne über das leben als chronisch psychisch erkrankter mensch.

 

für diesen text gilt eine triggerwarnung. es wird darin eine alkoholabhängigkeit, selbstverletzendes verhalten und der weg in ein gesundes leben erwähnt. wenn diese themen für dich gerade nah oder zu belastend ist, lies ihn besser nicht oder nicht alleine.

 

09. - 15. februar 2026

ENTWICKLUNG 

überschriften finden ist leichter als worte in diesen tagen. ich halte mich trotzdem ans konzept, das ich vor zeit eingeführt habe, die unendlich scheint und trotzdem nicht viel länger als ein halbes jahr ist. 

 

bestandsaufnahme:

  • krank sein ist nie hilfreich für meine stabilität. ich weiß nicht was es eigentlich ist. man fragt mich das, beim erstgespräch, "und, was hat sich verändert?" und ich kann ihn nur blinzelnd anschauen. eine antwort habe ich nicht 
  • ich hatte mir vorgenommen, bewusster online zu konsumieren und weniger bildschirmzeit zu schaffen. stellte sich heraus, mein leben hat keine lust mich ein paar wochen in ruhe zu lassen
  • jemand stirbt die ganze woche über und dann vielleicht nicht mehr, und die welt bleibt in der schwebe. "das schlimmste ist, dass alle meine pläne zerbrechen", sage ich. ich werde später feststellen, dass ich bei diesem gespräch angefangen habe zu weinen, ohne es mitzukriegen. der schmerz ist weit weg. ich auch.
  • falsche medis heißen immer noch einfach nur scheiße schlafen
  • ich spreche ohne symptome
  • ich hätte auch niemanden, zu dem die symptome sprechen könnten. es würde niemanden interessieren, und mich auch nicht, zumindest nicht genug 
  • ohne das hilfesystem ist vieles auch machbar. und manches sogar leicht.
  • ich mache mein zimmer zu meinem.
  • teppiche sind toll.
  • stay soft!
  • ich komme langsam aus meinen schatten, schrittchen für schrittchen
  • ich schütte alkohol weg. ich bin über vier monate nüchtern, und will gerade so sehr nicht zurück, dass es kaum weh tut. außerdem brauchen die meerschweinchen die schublade ich schmeiße die flaschen in glascontainer und gehe dann laufen. seitdem habe ich wieder schmerzen in der hüfte, aber mein körper ist ein bisschen leichter.
  • ich bereite mich die ganze woche auf zwei neue leben vor. ich möchte ihnen das ankommen so leicht wie möglich machen. ich füttere so viel wie möglich, in der hoffnung, dass sie genug fressen. ich lasse sie in ruhe, die ganze zeit. ich hoffe das macht es einfacher für sie. sie gehören jetzt zu mir, und ich werde mein bestes tun, dass sie das "zu mir gehören" spüren können
  • die einsamkeit spricht über menschen, so wütend, in meinem zuhause. ich bohre löcher und kann nicht ideal reagieren. ich widerspreche. vorsichtig. ich kann nicht sagen "würdest du das über mich auch sagen?", also kann ich kaum irgendetwas sagen. ich möchte schreien, aber ich habe meine stimme verloren.
  • "i am not my mother" schreibe ich am nächsten tag
  • ich starre auf die narben, dann lächle ich, und schneide nicht. es ergibt keinen richtigen sinn. es ist immer noch niemand da, den es interessieren würde, und mich auch nicht. also mache ich sport und kann keine liegestütze.

 

was gut tut:

  • vorfreude und ankunftsfreude
  • videotelefonate
  • bedarf
  • blaubeerwald-spaziergänge zum äste sammeln
  • hängesessel bekommen
  • genug trinken
  • kürbissuppe 

 

fragen der woche

  • wie kann ein mensch so hart sein?
  • was passiert, wenn alle pläne scheitern?
  • wie kann ich mein leben für mich gestalten? 

 

 

am ende schreibe ich, weil sprechen nicht möglich ist. worte bleiben. ich umarme mich, oder versuche es zumindest, und füttere meerschweinchen. am montag schneit es dann wieder. 

 

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