das leben ist gelegenheit genug, vor allem um darüber zu schreiben. eine kolumne über das leben als chronisch psychisch erkrankter mensch.
22. februar - 01. märz 2026
EINRICHTEN
bestandsaufnahme:
- ich warte auf durchschlafen, jede nacht. manchmal tue ich das im hängesessel, meistens ist mir das noch zu kalt, zumindest am anfang der woche. am ende schlafe ich bereits mit offener tür. es wird frühling, noch im februar, und das ist irgendwie schön, aber auch irgendwie zu früh. in mir ist es noch nicht zeit
- manchmal erstarre ich an den seltsamsten stellen
- ich kaufe grünzeug, und suche in jedem supermarkt nach kohlrabiblättern. das tägliche menü für die fellseelen zusammen zu stellen ist meine lieblingsaufgabe. zum glück ist salat weniger teuer, wenn sie nur milka-schokolade fressen würden, könnte ich sie mir nicht leisten. so verteile ich zweimal täglich frisches gemüse auf dem balkon
- etwas in mir bricht. ich weiß nicht was.
- in diesen tagen macht es mir angst, dass die welt der fellseelen fünf quadratmeter groß ist, und ich ihre göttin bin. ohne mich würden sie verhungern. ich träume davon, nachts, dass ich tiere sterben lasse weil ich nicht da bin. dabei bin ich ja hier. ich glaube, manchmal sind die letzten jahre zu nah um okay zu sein.
- ich schaffe, was ich mir vornehme. aber es kostet kraft, jeden tag zu schaffen was ich mir vornehme. ob das heißt, dass ich mir zu viel vornehme, oder ob das einfach zu meinem leben gehört, weiß ich nicht. ich sage oft: "aber es muss ja weiter gehen" und damit habe ich recht. jemand muss ja einkaufen gehen.
- ich versuche, mein bewusstsein zusammen zu halten. manchmal verliere ich es trotzdem.
- ich schlafe nachmittags, weil meine kraft nicht für einen tag reicht. ich spreche nicht darüber, ob das heißt, dass meine tage zu lang sind. immerhin sind die morgende gut.
- ich deinstalliere instagram von meinem handy. das hilft sehr. weniger scrollen ist eine sehr gute idee, auch für meine konzentration. ich schaue keins reels diese woche. zuvor habe ich damit viel zu lange verbracht.
- selbst die kraft für kunst reicht irgendwann nicht mehr.
- ich richte mich ein in einem leben, und ich hasse alles daran. denn die zerstörungswut bleibt trotzdem. sie ist schließlich schon lange meine begleiterin. "diese woche nicht", flüstere ich ihr zu, und lege ihr den arm um die schulter.
- die welt da draußen ist schön, die im inneren bleibt dunkel. ich bin übrig zwischen ihnen.
- etwas in mir bleibt traurig und verletzt. manchmal kann nicht ich das sogar wahrnehmen. nur hinschauen kann ich nicht. das wäre zu viel. also lasse ich sie weinen, und mache weiter, trotz dem hintergrundrauschen an sätzen, gefühlen und erinnerungen, die sie fest hält und mir zuschickt. ich lebe neben ihnen weiter. sie passieren, und ich gehe einkaufen und wasche wäsche. es ist wie es ist.
- ich friere ein, im außen und im innen. immer wieder. ich weiß nicht warum. es ist einfach so.
es ist eine woche, die viel mitnimmt, viel hier lässt und viel mit mir macht. ich bleibe, mein eigener fels, weil es sonst keiner ist, weil es sonst keine möglichkeit gibt. niemand kann mich halten, also tue ich es eben selbst. zwei fellseelen richten sich auf dem balkon und in meinen routinen ein. wir trinken kaffee zusammen und ich wasche ihre wäsche. wir gehören zusammen, sehr, und dafür bin ich dankbar.
viel ist gleichzeitig und auf einmal.
ich versuche das zu akzeptieren, auch wenn es schwer ist. es geht ja immer auch weiter. immer weiter und weiter.
passt auf euch auf, ich tue es auch 🤍
Kommentar hinzufügen
Kommentare