der wetterbericht sagt: leicht wolkig, als ich zuhause nach schaue. es ist noch dunkel, als ich das haus verlasse, nicht überpüfbar - ich möchte ja auch sonnenaufgang auf dem berg schauen. das glühen am horizont hat mich aus der schlaflosen nacht getrieben, und es ist schwer, danach noch mal einzuschlafen. ich huusch durch die stille plattenbausiedlung, fahre fünf minuten sraßenbahn, steige aus und stelle fest, dass es nicht nur sehr viel wärmer ist als ich gedacht habe, sondern aus “leicht bewölkt” in der realität “die wolken hängen so tief dass sie am hang aussehen wie nebel”. freie sicht? naja. zumindest fünfzig meter weit.
ich stapfe durch den sommerwarmen wolkennebel richtung berg. und als ich drüber nachdenke, nehme ich die kopfhörer raus. wenn die welt noch still ist, lohnt es sich oft umso mehr, zuzuhören. und dann ist da das summen.
es ist keine überraschung, dass man neben dem krankenhaus das krankenhaus mehr hört als die vögel. es begleitet mich meinen weg den berg herauf, genauso wie das leise geräusch der autobahn, die auf der anderen seite der siedlung abbiegt. letzteres macht quasi nichts mit mir - ersteres natürlich schon.
krankenhäuser bei nacht haben eine bestimmte ausstrahlung, und alle dieselben lüftungen. ich kenne mich da aus, denn ich habe viel zeit in den unterschiedlichsten Kliniken verbracht.
irgendwie ist so ein riesen betrieb, der menschen gesund machen soll, wie eine große maschine. alles läuft gut, neonlicht, nachtdienste, monitore die piepsen, und immer dasselbe summen, dass man innen nur hört, wenn man die fenster offen hat. in psychiatrien hatte ich immer die fenster gekippt. ich habe das geräusch verinnerlicht. es würde mich nicht wundern, wenn ich einmal davon geträumt hätte. wahrscheinlich würde ich das aber genauso wenig erinnern wie die zeit in den von kliniklicht erfüllten zimmern.
krankenhäuser hätten mich gesund machen sollen. das war schließlich ihr versprechen. ihre aussage. “wir sind hilfe” - nur dass sie es dann nie waren. ich habe überlebt. aber zu leben begonnen habe ich erst so richtig, als ich aufgehört habe in diesen gebäuden zu wohnen. das system hinter den glastüren hat mich verschlungen, gefressen mit haut und haar, und mich am ende zerzaust, zerschrammt und verwirrt wieder ausgespruckt.
ich weiß nicht, ob ich jemals verzeihen kann, wie sie mir das leben gerettet haben.
aber ich weiß, dass ich die geräusche von krankenhäusern nie vergessen werde.
ich stapfe den hang hoch. es ist steil, wie immer rast mein herz, zu schnell, zu hart. ich lande im nebel. da dieser die sonnenchance auch ganz oben in null verwandelt hat, bleibe ich schon auf halben weg auf einer bank sitzen und schreibe diesen blogartikel. in meinem kopf summt immer noch das krankenhaus, ein paar hundert meter unter mir, auch wenn man hier oben nur noch so wirklich vögel und grillen hört. es ist kühl, das ende der wiese verschwindet, und ich denke, dass ich aufhören muss zu tippen, weil ich dringend die jacke brauche, die allerdings gerade tablet und tastatur in meinem schoß stabilisiert. die worte gehen mir sowieso aus.
ich schmeiße die vogelstimmenerkennungsapp an. “mönchsgrasmücke, amsel, zilpzalp” sagt sie zu dem konzert um mich herum. ich lächle.
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